Sauberere Straßen, sauberere Luft: Der intelligente Abfallbehälter regelt das für Sie.

1 Juli 2018

Man bij container

„Hallo, ich bin fast voll. Kann mich bitte jemand entleeren?“ Dutzende niederländische Gemeinden arbeiten bereits mit kommunizierenden Abfallbehältern. Die neueste Entwicklung ist ein Navigationssystem, das die kürzeste Route für die Müllmänner festlegt.

Begonnen hat alles in Groningen. Diese Gemeinde führte 2001 Unterflur-Abfallbehälter mit Elektronik ein, die den Füllgrad anzeigte. Jeden Morgen gaben die Behälter ihre Daten über ein Mobiltelefon an die Gemeinde durch. Das war damals sehr fortschrittlich, technisch ist heute aber bereits viel mehr möglich. Tim Blömer sieht daher auch viele Verbesserungsmöglichkeiten für die erste GSM-Lösung. Er ist der Geschäftsführer von Mic-O-Data, dem Technologieunternehmen, das drahtlose Lösungen für das Ablesen von Sensoren aus der Ferne anbietet.

Digitaler Schlüssel

Heutzutage nutzen die Sensoren von Abfallbehältern das Internet of Things (IoT, das Internet der Dinge), um ihren Status durchzugeben. Und sie arbeiten mit Karten von Bewohnern. Diese Karten sind eine Art digitaler Schlüssel, mit dem die Anwohner Zugang zum Container erhalten. Die Gemeinde Groningen hat auch 2018 noch immer eine Vorreiterrolle inne. Dort wurden die Müllwagen Anfang dieses Jahres nämlich mit einem Navigationssystem ausgerüstet, das in direktem Kontakt mit den intelligenten Abfallbehältern steht. Ein Algorithmus berechnet die effizienteste Route entlang der Behälter, die entleert werden müssen. Und es gibt noch weitere Verbesserungsmöglichkeiten: Auch die Sensoren werden immer ausgereifter, so betont Blömer. „Wir können jetzt aus der Ferne sehen, wie hoch die Dichte des Abfalls ist. Manchmal erscheint ein Behälter voll, während er noch Platz genug für neuen Abfall bietet. Dadurch spart die Gemeinde wieder eine Fahrt.“

Eigensinnige Fahrer

Schön und gut, diese technologischen Lösungen. Aber wie schnell gewöhnen sich die Müllmänner an diese neue Art des Einsammelns? „Das kann schon ein paar Monate dauern“, sagt Blömer. „Wenn man jahrelang eine feste Strecke fährt und immer bei einer bestimmten Adresse Kaffee trinkt, ist es schon gewöhnungsbedürftig, wenn einem auf einmal ein Navigationssystem vorschreibt, wohin man fahren muss. Das haben wir auch bei der Gemeinde gesehen, die dieses Jahr zu dem neuen System wechselte. In der ersten Zeit haben einige Fahrer dort stur an ihrer eigenen Strecke festgehalten“, sagt er lachend.

Die vier wichtigsten Vorteile der kommunizierenden Abfallbehälter

Das Schöne an einer solchen IoT-Lösung ist, dass letztendlich die Menschen von den Vorteilen profitieren.

  1. Sauberere Straßen

Im vergangenen Jahr hat das statistische Amt der Niederlande (CBS) die Niederländer gefragt, welche Probleme in Wohngebieten zuerst bekämpft werden sollten. Fahren mit überhöhter Geschwindigkeit und Hundekot wurden landesweit am häufigsten genannt. In Amsterdam und Rotterdam war das jedoch anders. Dort stand „Müll auf den Straßen“ an erster Stelle. Intelligente Abfallbehälter können sich bei diesem Problem als sehr hilfreich erweisen. „Sensoren werden heutzutage immer günstiger“, betont Blömer. „Und das gilt auch für das Übermitteln von Daten. Es wird daher nicht mehr lange dauern, bis es interessant wird, auch die städtischen Abfalleimer mit Sensoren auszustatten. Dann können Gemeinden auch die Quellen des wilden Mülls bekämpfen.“

  1. Sauberere Luft

In Rotterdam wurde 2008 ein elektrischer Müllwagen in Betrieb genommen. Der erste in den Niederlanden. Und in Groningen fährt seit dem letzten Jahr der erste Müllwagen Europas, der mit Wasserstoff angetrieben wird. Dennoch bleiben dies Ausnahmen. Der Wagenpark der niederländischen Müllabfuhr fährt zum größten Teil noch mit fossilen Kraftstoffen. Das ist schlecht für das Klima und die Volksgesundheit. In Gemeinden mit intelligenten Abfallbehältern sind die Müllmänner jetzt allerdings nur unterwegs, wenn das wirklich notwendig ist. Der Wagenpark der Müllabfuhr kann dadurch kleiner ausfallen. Das führt nicht nur zu einer Reduzierung bei CO₂ und Abgasen, sondern auch zu einer beträchtlichen Kosteneinsparung.

  1. Die Möglichkeit, Recycling zu fördern

Der niederländische Staat möchte, dass die Niederländer 2020 mindestens 75 Prozent des Hausmülls trennen. Das geht natürlich nicht von alleine. Die Einwohner können daher etwas Unterstützung gebrauchen. Dank der intelligenten Abfallbehälter mit persönlichen Karten ist es jetzt möglich, Anwohner zu belohnen, wenn sie wiederverwertbares Material in die dafür vorgesehenen Behälter werfen. Dass dies noch nicht im großen Stil geschieht, liegt nach Meinung von Blömer daran, dass die Gemeinden Angst vor Missbrauch haben. „Wenn jedoch die Sensoren demnächst noch empfindlicher werden und wir noch bessere Algorithmen entwickeln, können wir in der Zukunft garantiert auch kontrollieren, was jemand in den Container wirft.“

  1. Prüfstand für andere Anwendungen

Das Prinzip des intelligenten Abfallbehälters wendet Mic-O-Data in der Zwischenzeit auch in anderen Branchen an. Zum Beispiel im Bauwesen. Dort wurden die Betonwagen von Beamix mit Sensoren ausgestattet, sodass der Betonmörtel genau zur richtigen Zeit an der Baustelle eintrifft. „Dabei geht es nicht um Abholen, sondern um Bringen. Das ist natürlich auch eine Möglichkeit“, sagt Blömer.